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Zuletzt aktualisiert
am 15.02.2012
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Ich möchte nun etwas aus dem Alltag einer Pflegestelle erzählen. Seit Ende Mai 2010 haben
mein Freund und ich fünf Katzenwelpen vom Tierschutzverein Rahden in Pflege. Anfangs war auch
die Mutti der Welpen dabei, aber dazu in meinem „Bericht" mehr…
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Der Anfang ...
Alles begann mit einem normalen Besuch im Tierschutzverein. Eigentlich wollte ich
mit einem Hund spazieren gehen. Beim Öffnen der Haustür stand dann jedoch ein Häufchen Elend
namens Heike Stüwe vor mir. Gestresst, genervt und völlig ruhelos. "Heike, wie kann ich dir
helfen?!". Ich dachte an so etwas wie Hunde füttern, Zwinger reinigen oder Telefondienst. Mit
der Antwort "Am meisten würdest du mir helfen, wenn du die Mama mit den Welpen mitnimmst.",
habe ich nicht gerechnet. Nun ja… etwas verdutzt sagte ich, ich müsse das erstmal zu Hause
besprechen.
Ich also wieder nach Hause, meinem Freund von diesem "Angebot" berichtet und zusammen überlegt.
Wir haben bereits zwei eigene Katzen, die vorwiegend bei uns in der Wohnung leben. Die nötige
Ahnung und Equipment waren also vorhanden. Wir haben uns dann entschieden, die Katzen zu uns zu
holen. Also ab auf den Dachboden, den "Ersatz"-Kratzbaum und die weiteren Katzenklos runterholen
und alles aufstellen.
Bedingung der Aufnahme war jedoch, dass alle wieder ausziehen, sobald sie nicht mehr auf die
Mutti angewiesen sind und "aus dem Gröbsten" raus sind. Der Gedanke, mit acht Katzen unter
einem Dach zu leben, war uns dann doch etwas unheimlich.
Am gleichen Abend haben wir dann Mutti "Abdullah" und ihre ca. vier Wochen alten Welpen
abgeholt und erstmal im Schlafzimmer einquartiert. Das schien uns der beste Raum zu sein,
damit Abdullah ihre Welpen aufziehen kann.
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Die ersten Zwei Wochen
Die ersten zwei Wochen verliefen eher ruhig, da die Kleinen meist nur geschlafen haben und dabei
fleißig geschnarcht haben. Das war jedoch die Ruhe vor dem Sturm…
Langsam wurden die Schlafphasen kürzer und sie begannen, das Schlafzimmer zu erkunden.
Dann kam langsam der Flur dazu. Der erste, der sich aus dem Schlafzimmer heraus traute war
"Tiger".
Er stolperte und hopste zwar mehr als dass er lief, aber er schaffte es. Er stand vor mir, schaute
mich mit seinen stahlblauen Augen an, mauzte ganz leise, hockte sich hin und ließ seiner Blase
erst einmal freien Lauf… Na prima, jetzt geht die heiße Phase mit dem Katzenklo los! Das war ein
Donnerstag - wir wollten uns am Wochenende dann damit beschäftigen, den Welpen bei zu bringen,
dass das Katzenklo zu benutzen ist, wenn man mal muss.
Als wir am Freitagnachmittag von der Arbeit zurückkamen, durften wir dann feststellen, dass
Abdullah uns diese Aufgabe bereits abgenommen hatte.
Sie hat den Kleinen scheinbar beigebracht, das Katzenklo zu benutzen während wir bei der Arbeit
waren.
Seit diesem Zeitpunkt sind alle Welpen stubenrein. Es gab seitdem nicht mal mehr
einen "Unfall".
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Mama Abdullah
Abdullah war eine sehr
hübsche Katze, die vermutlich zum ersten Mal Nachwuchs bekam. Laut Tierarzt war sie ca. ein Jahr.
Sie wurde beim Tierschutzverein Rahden abgegeben, als sie kurz vor der Geburt stand. Grundsätzlich
können wir nichts Schlechtes über sie sagen, etwas anstrengend war sie schon, eben eine typische
Katze. Sie liebte es, wenn man sie gebürstet hat oder sie einfach nur kraulte. Sie fühlte sich
sichtlich wohl bei uns. Sie ging auch auf unseren Balkon, nahm ein Sonnenbad und ging dann wieder
rein. Es wäre ein Leichtes für sie gewesen, mal eben über die Dachrinne nach unten zu huschen
und zu verschwinden. Doch sie tat es nicht.
Typisch für Abdullah ist folgende Geschichte: ich wollte Brote schmieren, verließ kurz die Küche,
kam wieder und alles war weg! Im Augenwinkel sah ich noch, wie Abdullah mit einer großen
Scheibe
Brot im Maul das Weite suchte. Sie hatte sich das wohl für schlechte Zeiten weglegen wollen… Sie
hatte es in einer Höhle im Kratzbaum gebunkert.
Als Abdullah ca. 12 Wochen nach der Geburt wieder begann, rollig zu werden, ging der Stress los.
Unser eigener Kater bekam "hormonelle Gefühle" für sie und fing an, in der Wohnung zu markieren.
Okay, da war wirklich Schluss mit lustig! Wir machten umgehend einen Termin für
eine Kastration.
Am Mittwochmorgen brachte ich Abdullah zu Heike, die dann mit ihr zum Tierarzt weiterfuhr. Gegen
Mittag bekam ich einen Anruf auf meinem Handy. Ich sah Heikes Telefonnummer und wusste sofort
Bescheid. Wenn alles geklappt hätte, würde sie mich nicht auf der Arbeit anrufen. "Hi. Abdullah
ist nicht wieder wach geworden!", sagte ihre zittrige Stimme. Sie hatte die OP problemlos
überstanden, wurde jedoch nicht mehr wach.
Am Nachmittag holte ich sie wieder bei Heike ab - so wie es geplant war. Es war jedoch nicht der
Weg in die Wohnung zu ihren fünf Babies, sondern direkt in unseren Garten. Ich ging hoch in
unsere Wohnung, da stand mein Freund und baute einen Katzentrinkbrunnen auf.
Den hatte ich extra für Abdullah bestellt und wurde soeben geliefert - es war Ironie pur und
einfach nur furchtbar.
Wir haben Abdullah dann am frühen Abend bei uns im Garten begraben. Dort ruht sie nun mit einigen
anderen geliebten Haustieren.
Niemand kann genau sagen, warum das passierte. Eine OP ist eben immer ein Risiko und irgendwer
muss die Erfahrung machen. Diesmal war es Abdullah. Es tröstet nicht, aber was tröstet schon,
wenn es um den Tod geht?!
@ Abdullah im Regenbogenland: Wir werden dich nie vergessen!
Deinen Babies geht es gut, wir passen wirklich gut auf sie auf! Tut mir leid, dass du dich nicht
ausgiebig von deinen Kleinen verabschieden konntest. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass du
nicht mehr nach Hause kommst. Wir kommen dich bald mit Tiger draußen im Garten besuchen! Er bleibt
nämlich bei uns und damit immer in deiner Nähe! Für die anderen Racker finden wir auch noch ein
schönes zu Hause. Sie sollen nur das Beste bekommen, das sind wir dir schuldig!
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Die Kleinen werden langsam flügge und mutig
Die Kleinen haben glücklicherweise bereits begonnen, Junior-Nassfutter zu fressen, als Abdullah
noch lebte. Sie waren demnach nicht mehr auf ihre Milch angewiesen.
Futter muss natürlich auch verdaut werden… So wurde es zwangsläufig zu unserer Aufgabe, die sieben
Katzenklos zu reinigen. Lasst es euch gesagt sein, es ist fast eine Lebensaufgabe!
Unsere eigenen Katzen sind bereits Senioren, sie sind acht und zwölf Jahre alt. Also gibt es jetzt
an der Futterbar Junior- und Seniorfutter.
Mittlerweile war das Schlafzimmer ja bereits von allen Kitten erkundet und es musste neuer Input
her. Erste Anlaufstelle war das Rondell in der Küche. Dort konnten sie von unten hinein kriechen.
Verständlicherweise waren wir nicht sehr angetan davon. Also wurde der "Eingang" mit Pappe dicht
gemacht. Aber wir hatten die Rechnung ohne die kleinen Racker gemacht. Mit vereinten Kräften und
der Unterstützung zahlreicher Milchzähne, wurde der Eingang wieder freigelegt. Da hilft nur eins:
Pfeffer! Mein Freund hat etwas Pfeffer auf die Pappe gestreut und urplötzlich wurde das Versteck
total langweilig…
Aber es gibt ja noch mehr Verstecke und Spielwiesen in einer Wohnung. Zum Beispiel die Unterseite
eines Sessels… oder die des Sofas… Ebenfalls geeignet sind Pflanzen. Wenn sie groß genug sind,
kann man sogar noch gut an ihnen herauf klettern.
So leerte sich unsere Wohnung nach und nach, das Esszimmer ist bereits so gut wie leer geräumt.
Nun kann man dort wenigstens ungehindert flitzen, hopsen und sich "prügeln". Es war ein Opfer, das
wir den Katzen, der Einrichtung und den Pflanzen zu Liebe gebracht haben. Unsere Esszimmerstühle
waren gerade erst ein paar Wochen alt und sollten den Kitten nicht als Spielzeug dienen.
Die Kratzbäume waren auch nicht auf fünf wild gewordene Katzenkinder vorbereitet und segneten so
auch recht schnell das Zeitliche. Dank einer sehr großzügigen Spende eines Kratzbaum-Herstellers
haben sie jedoch ziemlich schnell einen neuen Spielplatz gefunden, der ganz sicher nicht so
schnell aufgeben wird.
Die Themen, über die man sich zu Hause unterhält, nehmen auch ganz neue Formen an. Fragen wie
"Was macht der Stöpsel des Küchenwaschbeckens im Bett?" oder "Warum sind die Schubladen des
Kleiderschranks offen und der Inhalt im Schlafzimmer verteilt?!" sind dabei keine Seltenheit.
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Die Kleinen würden dann doch ganz gerne ausziehen
Die Kitten sind mittlerweile 4 Monate alt.
Soviel also zu eingangs erwähntem Vorsatz, dass wir sie nur solange beherbergen wollen, bis sie
aus dem Gröbsten raus sind…
Die Racker sind uns beiden so ans Herz gewachsen, dass die Vermittlung noch mal eine
Herausforderung für uns wird.
Von Tiger werden wir uns definitiv nicht trennen können, er passt zu unseren anderen Katzen und
ist uns sehr ans Herz gewachsen. Daher haben wir ihn bereits adoptiert.
Wir wussten, es wird schwer, die Katzen zu
vermitteln. Aber dass es so schwer wird,
hätten wir nicht gedacht.
Es ist manchmal schon abenteuerlich, was einige Menschen für Vorstellungen haben:
Eine Katze darf bei Abgabe kein Geld kosten, muss dafür aber geimpft, gechipt und kastriert sein.
Wir nehmen eine Schutzgebühr von 80 €. Das deckt nicht einmal die Kosten, die für die Kleinen
anfallen.
Die Antworten der Interessenten reichen von „Dann gehe ich zum Bauernhof und hole mir dort eine.
Die nehmen da kein Geld für!" oder „80€ dafür, dass sie vermutlich eh überfahren wird?! Nein,
danke!".
Solche Aussagen sind für uns unverständlich und wie ein Schlag ins Gesicht.
Wir suchen gute Menschen, die einem dieser Racker gerne ein neues zu Hause geben möchten.
Aktuell sind die Katzen noch nicht kastriert.
Sie werden erst ab fünf bis sechs Monaten geschlechtsreif und vorher sollte man sie auch noch
nicht kastrieren.
Die Kosten für die Kastration eines Katers liegen bei ca. 60 €, die einer Katze wegen des höheren
Aufwands bei ca. 100 €.
Wir bestehen bei Vermittlung auf eine Kastration, da diese zum einen den ungewollten Nachwuchs
vermeidet und vor ansteckenden Krankheiten wie Katzenaids schützt.
Dies ist die häufigste durch Geschlechtsverkehr übertragene Katzen-Krankheit und ist nicht
heilbar.
Sie führt grundsätzlich zum Tod des Tieres. Kastrierte Katzen und Kater gehen auch nicht mehr auf
Wanderschaft um sich zu paaren.
Dadurch reduziert sich die Wahrscheinlichkeit bei einem Freigänger deutlich, überfahren zu
werden.
Mehr unter Katzenjammer.
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Das Ende..
Da wir noch mittendrin stecken, gibt es noch kein Ende. Wir werden jedoch berichten, wenn die
Kleinen ein neues zu Hause gefunden haben.
Vielleicht ja bei Ihnen?!
Ich möchte mit meiner (doch recht lang gewordenen) Geschichte gerne andere Menschen über den
Alltag mit Tieren berichten. Egal ob Pflegestelle oder eigene Tiere.
Tiere bedeuten immer Arbeit, Zeit, Geld und Opfer bringen. Das muss einem klar sein, bevor man
sich ein Tier zulegt.
Vielleicht hat ja auch jemand Interesse an einer Pflegestelle bekommen. Egal ob Hund, Pferd oder
Katze. Es ist ja nicht so, dass man nur tut und macht, sondern die Tiere danken es einem ja auch.
Und wenn man weiß, wofür man es tut, macht es doch auch deutlich mehr Spaß!
Jetzt muss ich noch kurz klug scheißern: Ein Mensch wächst eben mit seinen Aufgaben!
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Weitere Informationen zum Thema: Pflegestelle.
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